Das MPIE von 1917 - heute: Institutsgeschichte

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09: Die Umstrukturierung des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung in den 1970er Jahren

In den 1960er Jahren kam es vermehrt zu Spannungen zwischen dem Verein Deutscher Eisenhüttenleute (VDEh) und dem Max-Planck-Institut für Eisenforschung (MPIE).
Unter dem seit dem Jahr 1971 amtierenden Institutsdirektor Hans-Jürgen Engell wurde das MPIE in die Rechtsform einer GmbH überführt und der Schwerpunkt des Instituts auf die Grundlagen der metallurgischen Verfahrenstechnik und der Werkstoffkunde der Stähle verlagert. Bild vergrößern
Unter dem seit dem Jahr 1971 amtierenden Institutsdirektor Hans-Jürgen Engell wurde das MPIE in die Rechtsform einer GmbH überführt und der Schwerpunkt des Instituts auf die Grundlagen der metallurgischen Verfahrenstechnik und der Werkstoffkunde der Stähle verlagert.
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Diese führten zu einer Neuregelung bei der Patentverwertung und einer Umwandlung der Rechtsform des Instituts.[1] Der Hauptgrund dafür lag in der Einflussnahme, die der VDEh als Hauptfinanzierer des MPIE auf den Institutsdirektor Willy Oelsen und die wissenschaftliche Arbeit des Instituts ausübte. Auch in der Max-Plack-Gesellschaft (MPG) blieben diese Probleme nicht unbemerkt, wie ein interner Vermerk von 1965 zeigt.[2] Zusätzlich sorgte die Patentverwertung aufgrund außerordentlich komplizierter Rechtsfragen für ständigen Diskussionsstoff zwischen dem Institut und dem VDEh.[3]

Willy Oelsen war am 25. Juli 1970 kurz vor seiner Emeritierung verstorben. Eine umfangreiche Umstrukturierung des MPIE erfolgte schließlich unter Oelsens Nachfolger Hans-Jürgen Engell, der ab dem Jahr 1971 die Leitung des Instituts übernahm. Gleichzeitig wurde das MPIE in die Rechtsform einer GmbH überführt, deren Gesellschafter zu gleichen Anteilen der VDEh und die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) wurden.[4] Eine abschließende Einigung zwischen beiden Gesellschaftern, die Grundfinanzierung des Instituts jeweils zur Hälfte zu übernehmen, konnte jedoch erst 1980 erzielt werden.[5]

Grenzflächenforschung im MPIE: Hier ein Mitarbeiter an der Ultra-hochvakuum - Apparatur zur Messung der Sauerstoffanreicherung auf Eisenkristalloberflächen, 1978. Bild vergrößern
Grenzflächenforschung im MPIE: Hier ein Mitarbeiter an der Ultra-hochvakuum - Apparatur zur Messung der Sauerstoffanreicherung auf Eisenkristalloberflächen, 1978.
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Neben Hans-Jürgen Engell, der als wissenschaftlicher Geschäftsführer fungierte, wurde Rolf Weidemann zum kaufmännischen Geschäftsführer bestimmt. An die Stelle des bisherigen Kuratoriums trat ein Verwaltungsrat, der aus sechs Vertretern des VDEh, vier Vertretern der MPG und jeweils einem Vertreter der Landes- und der Bundesregierung bestand.[6] Daneben wurde im Jahr 1973 ein zwölfköpfiger Fachbeirat gebildet, der die Aufgabe hatte, die Gesellschafter des MPIE und die wissenschaftliche Leitung bei der Planung, Durchführung und Bewertung der Forschungsarbeit zu beraten. Bei den Mitgliedern des Fachbeirats sollte es sich um international anerkannte Vertreter der dem Aufgabenfeld des Instituts nahestehenden Disziplinen aus der Forschung und Entwicklung handeln, welche von der wissenschaftlichen Leitung des Instituts vorgeschlagen und für drei Jahre durch den Verwaltungsrat berufen wurden.[7]

Engell gliederte das MPIE in die fünf Abteilungen Werkstoffkunde, Metallphysik, Umformtechnik, Physikalische Chemie und Metallurgie, in die ein Teil der bisherigen Laboratorien als Arbeitsgruppen überging.[8] Dabei verlagerte sich der Schwerpunkt der Institutsarbeit vom Gebiet der Metallphysik auf die Grundlagen der metallurgischen Verfahrenstechnik und der Werkstoffkunde der Stähle.[9] Engell richtete das Institut insgesamt verstärkt auf eine interdisziplinär erkenntnisorientierte Grundlagenforschung aus, wobei ein intensiver Transfer in die Praxis weiterhin stattfinden sollte. Anwendungsnahe Arbeiten sollten jedoch auf das Betriebsforschungsinstitut des VDEh verlagert werden.[10]

Systematische Untersuchungen zu Rissbildung und Bruch am Max-Planck-Institut für Eisen-forschung: eine zwischen zwei Spannbacken eingespannte Kompaktprobe mit vorgearbeiteter Kerbe wird Zug und Biegung ausgesetzt. Die dabei stattfindende Rissaufweitung und die Zugkraft werden elektronisch gemessen, 1975. Bild vergrößern
Systematische Untersuchungen zu Rissbildung und Bruch am Max-Planck-Institut für Eisen-forschung: eine zwischen zwei Spannbacken eingespannte Kompaktprobe mit vorgearbeiteter Kerbe wird Zug und Biegung ausgesetzt. Die dabei stattfindende Rissaufweitung und die Zugkraft werden elektronisch gemessen, 1975.
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[1] Flachowsky, Sören: Das Max-Planck-Institut für Eisenforschung Düsseldorf; in: Gruss, Peter; Rürup, Reinhard (Hrsg.): Denkorte. Max-Planck-Gesellschaft und Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft: Brüche und Kontinuitäten 1911-2011, Dresden 2010, S. 128-135, S. 133.

[2] Flachowsky, Sören: Von der Wagenburg der Autarkie zu transnationaler Zusammenarbeit. Der Verein Deutscher Eisenhüttenleute und das KWI/MPI für Eisenforschung 1917-2009, in: Maier, Helmut; Zilt, Andreas; Rasch, Manfred (Hrsg.): 150 Jahre Stahlinstitut VDEh 1860-2010, Essen 2010, S. 696 f.

[3] Flachowsky, Sören: Von der Wagenburg der Autarkie zu transnationaler Zusammenarbeit. Der Verein Deutscher Eisenhüttenleute und das KWI/MPI für Eisenforschung 1917-2009, in: Maier, Helmut; Zilt, Andreas; Rasch, Manfred (Hrsg.): 150 Jahre Stahlinstitut VDEh 1860-2010, Essen 2010, S. 696 f.

[4] Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH Düsseldorf: Bericht über das Jahr 1971, Düsseldorf 1972, o. S.

[5] Flachowsky: Von der Wagenburg der Autarkie zu transnationaler Zusammenarbeit, S. 704.

[6] Max-Planck-Gesellschaft (Hrsg.): Berichte und Mitteilungen. Max-Planck-Institut für Eisenforschung, Heft 3/1978, München 1978, S. 14 f.

[7] Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH Düsseldorf: Bericht über das Jahr 1973, Düsseldorf, 1974, S. 50 f.

[8] MPIE: Bericht über das Jahr 1971, o. S.

[9] Flachowsky: Von der Wagenburg der Autarkie zu transnationaler Zusammenarbeit, S. 700.

[10] Ebd., S. 699; Ders.: Das MPIE Düsseldorf, S. 133 f.

 
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