Frauen in der Wissenschaft

Frauen in der Wissenschaft

Männer mit Perücken, Männer mit Bärten, kaum Frauen. Wenn man an berühmte Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler denkt, drängen sich Bilder von Männern  auf. Wir alle kennen Newton und Einstein. Zurecht. Aber eher weniger Donna Strickland, die den Laser weiterentwickelte und 2018 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Die erste Frau seit 1963. Wer kennt Ada Lovelace, die Softwarepionierin, die schon im 19. Jahrhundert die Prinzipien der Informatik formulierte. Oder Stephanie Kwolek, die Frau, die das widerstandsfähige Kevlar entwickelte, welches heute beispielsweise in schusssicheren Westen verwendet wird. 

Die Max-Planck-Gesellschaft setzt sich für eine Förderung von Frauen in der Wissenschaft ein und bietet vielfältige Unterstützungsangebote. Und trotz aller Fortschritte, die in den letzten Jahren gemacht worden sind, fehlt es an Frauen in der Wissenschaft als Inspiration für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Daher wollen wir hier Forscherinnen am MPIE vorstellen: Wie sind sie in die Forschung gekommen? Was sind ihre Motivationen oder Vorbilder und was würden sie Schülerinnen raten, die überlegen in die Forschung zu gehen? 

Lena Frommeyer

Lena Frommeyer

„Wie funktioniert das?“ Eine einfache Frage mit weitreichenden Konsequenzen, will man sie umfassend beantworten. Dinge passieren nicht einfach. Auch nicht in der Welt der Materialien. Prozesse wirklich zu verstehen und nicht an der Oberfläche stehen zu bleiben, das war eine der Motivationen von Lena Frommeyer in der Wissenschaft zu arbeiten.

Sie promoviert am MPIE und beschäftigt sich mit der Frage wie unsere Materialien auf atomarer Ebene funktionieren. Dazu untersucht sie in der Abteilung „Struktur und Nano-/ Mikromechanik von Materialien“ die Korngrenzen in reinem Kupfer. Korngrenzen sind Grenzflächen innerhalb von Metallen, die beispielsweise beim Übergang vom flüssigen zu einem festen Zustand entstehen, und bestimmen Materialeigenschaften wie Elektrizität, Härte oder Plastizität. Den atomaren Aufbau solcher Grenzflächen experimentell nachzuweisen, ist allerdings noch nicht sehr lange möglich: „Es braucht extrem hochauflösende Mikroskope, die es nicht an allen Instituten gibt. Das MPIE hat aber die Ausrüstung, dass wir hier wirklich die Welt der Materialien von der atomaren Ebene aus verstehen können.“, so Frommeyer.

Die Entscheidung wissenschaftlich arbeiten zu wollen kam Frommeyer während der Masterarbeit. Denn eine Grundvoraussetzung für wissenschaftliches Arbeiten ist die Bereitschaft sich ausdauernd und umfassend mit einem Thema zu befassen. Einen zusätzlichen Reiz bietet die Gelegenheit etwas zu erforschen, was so noch nicht erforscht worden ist und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Nachdem sie in der Recherche für ihre Masterarbeit auch einige Publikationen des MPIE gelesen hatte, bot sich auf einer Veranstaltung des Instituts die Gelegenheit hier promovieren zu können: „Das Institut hat nicht nur einen guten wissenschaftlichen Ruf, es macht Spaß mit so vielen unterschiedlichen Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt, gemeinsam und motiviert an einer Fragestellung zu arbeiten.“

Der Weg in ein naturwissenschaftliches Studium und die Forschung ist aber, gerade für junge Frauen, keine Selbstverständlichkeit: „Gerade bei der Wahl eines Physikstudiums sind Unsicherheit und Selbstzweifel dabei. Man fragt sich, ob man gut genug ist das Studium zu schaffen. Aber man darf sich nicht durch die eigene Unsicherheit davon abbringen lassen seinen eigenen Weg zu gehen und das zu machen, was einem Spaß macht.“ Gleichzeitig ist der Weg in die Forschung aber auch mit Herausforderungen verbunden, wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch befristete Verträge oder der Notwendigkeit für eine wissenschaftliche Karriere öfter umzuziehen.

Es gibt aber auch weniger gute Motivationen in die Wissenschaft zu gehen, von denen Frommeyer abraten würde: „Aus finanziellen oder Prestigegründen in die Wissenschaft zu gehen macht keinen Sinn. Man braucht die Bereitschaft sich in Themen einzuarbeiten und den Anspruch die Welt verstehen zu lernen. Dann ist Forschung genau das Richtige, denn ein Verständnis der Welt um uns herum ist der erste Schritt, sie zu verändern.“
 
Laurine Choisez

Dr. Laurine Choisez

Der Weg in eine klimaneutrale Wirtschaft wird viel mit unserer Energieproduktion zusammenhängen. Die Überwindung fossiler Brennstoffe hin zu erneuerbaren Energien bleibt eine technische Herausforderung. Was, wenn die Sonne mal nicht scheint? Der Wind nicht weht? Die Frage nach Alternativen und Speichertechnologien ist eine zentrale Frage der Energieversorgung von morgen.

Eine Frage, die auch Dr. Laurine Choisez beschäftigt. Nach ihrem Ingenieursstudium und dem Master in Materialwissenschaften arbeitete sie zunächst in einem anderen Bereich der Materialwissenschaften. Die immer drängendere Klimafrage ließ sie nicht los: „Ich wollte meine Energie, meine Zeit darauf verwenden, Lösungen für eine nachhaltige Zukunft zu finden. Deshalb habe ich mich am MPIE beworben, das einen ausgezeichneten wissenschaftlichen Ruf und gute Ausstattung hat, um optimal forschen zu können.“ so Choisez.

Nachhaltige Metallurgie

Seit kurzem arbeitet sie in der Forschungsgruppe "Nachhaltige Materialsynthese" in der Abteilung "Mikrostrukturphysik und Legierungsdesign". Dort beschäftigt sie sich mit der Mikrostruktur von Eisenpulver auf atomarer Ebene. Eisenpulver kann als recycelbarer Brennstoff verwendet werden. Die Analyse der Mikrostruktur von Werkstoffen zeigt, wie kleine Veränderungen auf atomarer Ebene einen großen Einfluss auf die Materialeigenschaften und die Effizienz nachfolgender Prozesse haben können. Für Choisez geht der Reiz der Arbeit über den Beitrag zum Klimaschutz hinaus: „Das Gebiet ist kaum erforscht und es gibt noch so viel zu entdecken. Das macht die Arbeit hier so spannend. Eisenpulver als Brennstoff wurde von Ingenieurinnen und Ingenieuren untersucht, aber auch von der materialwissenschaftlichen Seite kann man viel zu diesem Forschungsthema beitragen." Die Idee dieses Ansatzes ist es, das Eisenpulver als eine Art wiederaufladbare Batterie zu verwenden. Bei der Verbrennung von Eisen wird Energie erzeugt, und das verbrannte Eisen wird mit erneuerbarer Energie in wiederverbrennbares Eisenpulver umgewandelt. Ein Verfahren, das auch zur Speicherung von überschüssiger Energie aus Sonnen- und Windenergie genutzt werden kann.

Den eigenen Interessen folgen

Der niedrige Frauenanteil im Ingenieursstudium hat sie nicht aufgehalten. Eine Broschüre der Universität warb mit vielen Frauen darin für das Ingenieursstudium. So brach die Broschüre mit dem „männerlastigen“ Ruf des Studiums und stellte mögliche weibliche Vorbilder ganz selbstverständlich dar. Für Choisez bedeutete das Studium und die Arbeit in der Wissenschaft jedoch auch immer, den eigenen Interessen und Herzensangelegenheiten zu folgen. Ein Rat, den sie allen gibt, die sich für eine wissenschaftliche Beschäftigung interessieren: "Habt keine Angst, irgendwo der oder die Einzige zu sein. Zieht es durch. Und wenn ihr das, was ihr tut, mögt und euren Interessen folgt, werdet ihr auch gut darin sein."
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