Innovative Materialien für eine nachhaltige Zukunft

Wussten Sie, dass allein die Stahlindustrie für rund 8% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist? Oder, dass ein Smartphone etwa 50 verschiedene Elemente enthält, Smartphones jedoch nur selten recycelt werden?

Gegründet im Jahr 1917 in einer prägenden Phase der Industrialisierung, lag der ursprüngliche Schwerpunkt unseres Instituts auf der Verbesserung von Stählen und metallischen Legierungen, die das 20. Jahrhundert maßgeblich beeinflussten. Während wir weiterhin auf unser tiefgreifendes Verständnis von Metallen zurückgreifen, haben die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts eine entscheidende Transformation angestoßen. Heute betreiben wir Grundlagenforschung zu nachhaltigen Materialien, die weit über die klassische Metallurgie hinausgeht und zentrale Bereiche wie Energie, Mobilität, Infrastruktur, Fertigung und Medizin adressiert.

Unsere Stärke liegt in unserem 350-köpfigen Team aus über 35 Ländern und verschiedenen Disziplinen wie der Physik, Chemie, Informatik und den Ingenieurswissenschaften. Zusammen entwickeln wir neue Materialien, die für die moderne Gesellschaft unverzichtbar sind, mit dem Ziel eine Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen und das lineare „Wegwerf“-Modell durch Materialien zu ersetzen, die langlebig und recyclebar sind.

Wir erforschen wie Metalle mit Hilfe von Wasserstoff statt Kohlenstoff hergestellt werden können – mit Wasser statt CO2 als Nebenprodukt des Prozesses. Wir konzipieren nahezu endlos recycelbare Materialien mit hoher Toleranz gegenüber Verunreinigungen und untersuchen Korrosion, Ermüdung und Versagen, um die Lebensdauer von Materialien gezielt zu verlängern. Zum Einsatz kommen auch künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, sodass unsere Algorithmen die Eigenschaften neuer Legierungen vorhersagen können, noch bevor diese tatsächlich hergestellt werden. So lassen sich Millionen potenzieller Materialkombinationen simulieren und besonders vielversprechende Kandidaten für nachhaltige Anwendungen in kürzester Zeit identifizieren – sei es für leichtere Legierungen und bessere Batterien, damit Elektrofahrzeuge weiter fahren, oder für biokompatible Metalle in medizinischen Implantaten.

Aufbauend auf mehr als einem Jahrhundert Materialforschung setzen wir uns dafür ein, dass Hochleistungsmaterialien und ökologische Verantwortung Hand in Hand gehen.

Nachruf

Max-Planck-Institut für Nachhaltige Materialien trauert um Christina Scheu


Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Christina Scheu, Leiterin der unabhängigen Forschungsgruppe „Nanoanalytik und Grenzflächen“ am Max-Planck-Institut für Nachhaltige Materialien und Professorin an der RWTH Aachen. Christina Scheu ist am 29. September 2026 nach schwerer Krankheit verstorben.

Mit ihr verliert das Institut eine herausragende Wissenschaftlerin, engagierte Mentorin und warmherzige Kollegin. Über viele Jahre prägte sie nicht nur die Forschung am Institut, sondern unterstützte mit großem Engagement junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf ihrem beruflichen Weg.

Forschung für die Energiewende
Christina Scheu forschte vor allem zu Materialien für die Energiewende. Sie untersuchte thermoelektrische Werkstoffe, die Abwärme in Strom umwandeln, Katalysatoren, die Wasser spalten und so grünen Wasserstoff herstellen und Materialien für Brennstoffzellen und Batterien.

Dabei nutzte sie unter anderem hochauflösende Transmissionselektronenmikroskope, um atomgenau Werkstoffe zu untersuchen und zu verstehen, wie ihre innere Struktur und chemische Zusammensetzung deren Eigenschaften beeinflussen. Sie interessierte sich besonders für Grenzflächen, Korngrenzen und andere Defekte, Bereiche im Material, die die elektrische, thermische oder katalytische Leistungsfähigkeit beeinflussen. Dadurch konnte ihre Forschung nicht nur erklären, warum bestimmte Materialien besonders gut funktionieren oder mit der Zeit an Leistung verlieren, sondern auch Wege aufzeigen, wie sich ihre Eigenschaften gezielt verbessern und ihre Lebensdauer erhöhen lassen.

Ganzer Nachruf

Mit Christina Scheu verlieren wir, die Wissenschaftscommunity, ihre Kooperationspartner sowie ihre Studierenden nicht nur eine engagierte Wissenschaftlerin, sondern auch eine herzliche Kollegin und gute Freundin, die sich immer um ihre Mitmenschen und ihre Gruppenmitglieder mit viel Herzblut gekümmert hat.

Unser tiefes Mitgefühl gilt ihrer Familie und allen, die ihr nahestanden.

Wenn Sie Ihre Anteilnahme öffentlich ausdrücken möchten, schreiben Sie bitte an: info@mpi-susmat.de. Ihr Beitrag wird auf Christina Scheu‘s Profilseite veröffentlicht. 

 
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