Das MPIE von 1917 - heute: Institutsgeschichte

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01: Die Vorgeschichte des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Eisenforschung

Die ersten Überlegungen zur Gründung einer zentralen Forschungseinrichtung für das Eisenhüttenwesen gab es bereits im frühen 19. Jahrhundert.

Doch diese Pläne kamen nie über das Stadium der Erörterung hinaus, auch wegen der geringen Spendenbereitschaft der Industrie.[1] Während des Ersten Weltkriegs wurde dem Verein Deutscher Eisenhüttenleute (VDEh) und den ihn tragenden Mitgliedsunternehmen zunehmend bewusst, dass zur dringend notwendigen Qualitätsverbesserung des deutschen Stahls eine gesteigerte Forschungsaktivität unumgänglich war. Die Firmenlabore waren durch ihre Tagesgeschäfte und die damit verbundene andersartige Forschungszielsetzung dafür jedoch nicht geeignet, und den Hochschulen fehlten die finanziellen Mittel.[2]

Ein Blick auf den Düsseldorfer Stahlhof, in dem der Vorstand des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute am 19. Juni 1917 die Gründung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Eisenforschung beschloss. Bild vergrößern
Ein Blick auf den Düsseldorfer Stahlhof, in dem der Vorstand des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute am 19. Juni 1917 die Gründung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Eisenforschung beschloss.
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Der seit 1917 amtierende Hauptgeschäftsführer des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute Otto Petersen war ein besonders tatkräftiger Förderer bei der Schaffung eines gemeinschaftlichen Eisenforschungsinstituts. Bild vergrößern
Der seit 1917 amtierende Hauptgeschäftsführer des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute Otto Petersen war ein besonders tatkräftiger Förderer bei der Schaffung eines gemeinschaftlichen Eisenforschungsinstituts.
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Mit Fortschreiten des Ersten Weltkriegs kam die Sorge vor einem Verlust wichtiger Rohstoffvorkommen, etwa aus Lothringen oder Luxemburg hinzu. Die deutsche Eisen- und Stahlindustrie war gezwungen, technische Verfahren auszuarbeiten, um mit den knapper werdenden Rohstoffressourcen effizienter produzieren zu können. Darüber hinaus sollten heimische, erzärmere Gruben besser ausgebeutet und Erze aufbereitet werden. Zusätzlich wurde ein Wirtschaftsembargo der Alliierten nach dem Krieg befürchtet, auf das man sich bestmöglich vorbereiten wollte.[3] Aber auch kriegstechnische Überlegungen spielten bei der Entscheidung für ein unternehmensübergreifendes Eisenforschungsinstitut eine Rolle, da die Förderung rüstungsrelevanter Forschungseinrichtungen im Interesse einer potenziellen zukünftigen Kriegsbereitschaft stand.[4]

Auch in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG) und im Preußischen Kultusministerium wurde der Aufbau einer gemeinschaftlichen Forschungseinrichtung diskutiert, dennoch war die Gründung schließlich hauptsächlich dem Drängen der Eisenhüttenleute zu verdanken. Die Industrievertreter des VDEh entschieden sich dabei für eine Eingliederung des Instituts unter dem Dach der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.[5]

Die Verhandlungen der Vertreter des VDEh, der KWG und des Preußischen Kultusministeriums endeten am 30. April 1917. An dem neuen, an die KWG anzugliedernden Institut für Eisenforschung sollten sowohl die Industrie, die KWG als auch der preußische Staat beteiligt sein.[6] Am 19. Juni 1917 beschloss der Vorstand des VDEh bei einer Sitzung im Düsseldorfer Stahlhof schließlich einstimmig die Errichtung des gemeinsamen Eisenforschungsinstituts.[7]

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[1] Vgl. Dönges, Wilhelm: Geschichte und Entwicklung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Eisenforschung zu Düsseldorf, in: Mitteilungen aus dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Eisenforschung zu Düsseldorf, Bd. XXV, Düsseldorf 1942, S. 1 u. Flachowsky, Sören: Von der Wagenburg der Autarkie zu transnationaler Zusammenarbeit. Der Verein Deutscher Eisenhüttenleute und das KWI/MPI für Eisenforschung 1917-2009, in: Maier, Helmut; Zilt, Andreas; Rasch, Manfred (Hrsg.): 150 Jahre Stahlinstitut VDEh 1860-2010, Essen 2010, S. 671-708, S. 672.

[2] Ebd., S. 673.

[3] Ebd., S. 674.

[4] Ders.: Das Max-Planck-Institut für Eisenforschung Düsseldorf, in: Gruss, Peter; Rürup, Reinhard (Hrsg.): Denkorte. Max-Planck-Gesellschaft und Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft: Brüche und Kontinuitäten 1911-2011, Dresden 2010, S. 128-135, S. 128.

[5] Ebd.

[6] Dönges: Geschichte und Entwicklung, S. 5.

[7] Ebd., S. 6 ff.

 
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