Das MPIE von 1917 - heute: Institutsgeschichte

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02: Die ersten Jahre des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Eisenforschung

Nachdem die Vertreter des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute (VDEh), der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG) und des Preußischen Kultusministeriums die Gründung einer gemeinschaftlichen Forschungseinrichtung für das Eisenhüttenwesen unter dem Dach der KWG beschlossen hatten, wurde festgelegt, dass einem Kuratorium aus sieben Mitgliedern die Aufsicht über den Haushalt, die Tätigkeit und die Arbeitsergebnisse des Instituts übertragen werden sollte.
Hier auf dem Gelände der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik in Düsseldorf war das Kaiser-Wilhelm-Institut für Eisenforschung von 1920 bis 1935 beheimatet. Bild vergrößern
Hier auf dem Gelände der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik in Düsseldorf war das Kaiser-Wilhelm-Institut für Eisenforschung von 1920 bis 1935 beheimatet.
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Als Hauptfinanzier besaß der VDEh eine Mehrheit in diesem Kuratorium. Zusätzlich wurde ein wissenschaftlicher Beirat geschaffen, der zusammen mit der Industrie die inhaltliche Ausrichtung der Institutsarbeit koordinieren sollte.[1]

Hauptträger des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Eisenforschung (KWIE) wurde der VDEh, der das Institut über eine an die Stahlproduktionsmenge gekoppelte Abgabe der Stahlwerke finanzierte. Auf die KWG und das Preußische Kultusministerium entfiel nur ein verhältnismäßig geringer Teil der Kosten. Aufgrund dessen konnte der VDEh den Standort Düsseldorf, den „Schreibtisch des Ruhrgebiets“[2], durchsetzen. Die Stadt Düsseldorf sollte dazu ein geeignetes Gelände und auch einen Bauzuschuss zur Verfügung stellen, wie es in einem Vertragsentwurf von 1919 zwischen dem VDEh und der Stadt Düsseldorf hieß.[3] Schließlich wurde am 27. April 1920 ein Vertrag zwischen dem VDEh und der Stadt Düsseldorf abgeschlossen. Für den Bau des Institutsgebäudes verpflichtete sich die Stadt neben dem Baugelände auch zehn Jahre lang einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 70.000 Reichsmark jährlich bereitzustellen.[4]

Institutsmitarbeiter der Abteilung Metallurgie an der Hochfrequenz-schmelze, 1920. Bild vergrößern
Institutsmitarbeiter der Abteilung Metallurgie an der Hochfrequenz-schmelze, 1920.

Im November 1917 wählten die Kuratoriumsmitglieder Friedrich Springorum zu ihrem ersten Vorsitzenden. Im gleichen Monat wurde die Satzung des KWIE verabschiedet und Professor Dr. Fritz Wüst, der Leiter des Eisenhüttenmännischen Instituts der Technischen Hochschule (TH) Aachen, zum ersten Direktor des KWIE ernannt.[5]

Da Wüst zu diesem Zeitpunkt jedoch mit Aufgaben der Heeresleitung im Rahmen der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft für kriegstechnische Wissenschaft (KWKW) in hohem Maße beschäftigt war, erfolgten zunächst keine baulichen und organisatorischen Maßnahmen für das KWIE. Auch unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg konnte der Bau eines Institutsgebäudes aufgrund der wirtschaftlichen Notlage nicht realisiert werden. 1918 kam das Institut daher zunächst an Wüsts Eisenhüttenmännischem Institut an der TH Aachen unter und nahm dort die Arbeit mit lediglich einem wissenschaftlichen und einem technischen Mitarbeiter auf, bis es ab Dezember 1920 in einer Werkstatthalle der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik in Düsseldorf, die spätere Rheinmetall AG, eine provisorische Unterkunft fand. Nun konnte die Belegschaft schnell auf 14 Mitarbeiter, darunter sechs Wissenschaftler, erhöht werden.[6]

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Hier ein Blick in das Chemische Laboratorium im alten Institutsgebäude. Bild vergrößern
Hier ein Blick in das Chemische Laboratorium im alten Institutsgebäude.


[1] Vgl. Dönges, Wilhelm: Geschichte und Entwicklung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Eisenforschung zu Düsseldorf, in: Mitteilungen aus dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Eisenforschung zu Düsseldorf, Bd. XXV, Düsseldorf 1942, S. 8 f. u. Flachowsky, Sören: „Alle Arbeit des Instituts dient mit leidenschaftlicher Hingabe der deutschen Rüstung“. Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Eisenforschung als interinstitutionelle Schnittstelle kriegsrelevanter Wissensproduktion 1917-1945, in: Maier, Helmut: Gemeinschaftsforschung, Bevollmächtigte und der Wissenstransfer: die Rolle der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im System kriegsrelevanter Forschung des Nationalsozialismus, Göttingen 2007, S. 153-214, S. 159 f.

[2] Umgangssprachlich wurde Düsseldorf häufig als „Schreibtisch des Ruhrgebiets bezeichnet“, da hier viele Eisen und Stahl produzierende Betriebe ihren Verbands- und Verwaltungsbesitz hatten: https://de.wikipedia.org/wiki/Schreibtisch_des_Ruhrgebiets (19.01.2017)

[3] Flachowsky: „Alle Arbeit des Instituts …“, S. 160.

[4] Akten der Stadt Düsseldorf betr. Eisenforschungsinstitut, Stadtarchiv Düsseldorf, 0-1-4-34559.0000, Hauptvertrag zwischen der Stadt Düsseldorf und dem Verein Deutscher Eisenhüttenleute vom 27. April 1920.

[5] Dönges: Geschichte und Entwicklung, S. 9.

[6] Vgl. Flachowsky: „Alle Arbeit des Instituts …“, S. 160 u. Dönges: Geschichte und Entwicklung, S. 9 f.

 
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