© Tanja Sondermann, Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH

Wie kommt die Biene in ihrer eigenen Umgebung zurecht?

Das MPIE als Teil der Initiative we4bee

20. Mai 2020
Fleißige Bienen tragen Pollen in die Waben des Bienenstocks, der jetzt auf dem Dach des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung steht.

Es summt und brummt auf dem Dach des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung (MPIE). Seit diesem Frühjahr beherbergt das MPIE ein Volk von 10.000 Bienen. Wer die steilen Stufen nach oben auf das Dach geschafft hat, kann nun versteckt in der Ecke ein kleines Holzhäuschen bewundern, in dem sich insgesamt 10 Waben befinden. Bienen schwirren um diesen Kasten herum. An ihren Hinterbeinen hängen große gelbe Klümpchen – Pollen, die die fleißigen Bienen zu ihrem neuen zu Hause tragen. Allerdings liefern die Bienen keinen institutseigenen Honig. Stattdessen erforschen Kameras und Sensoren das Leben im Bienenstock. Das MPIE beteiligt sich an der Initiative we4bee, die das Leben der Biene näher erforschen möchte.

Ein Beitrag gegen das Insektensterben

Benjamin Breitbach, technischer Mitarbeiter in der Abteilung "Struktur und Nano-/Mikromechanik von Materialien" und Hobbyimker, hat Bienenwaben aus seiner eigenen Zucht an das MPIE gebracht.

Weniger Bienen, weniger Fliegen, weniger Schmetterlinge – die Zahl der Insekten ist vielerorts zurückgegangen. Eine Sensibilisierung für die Bedeutung von Bienen und die Gesamtheit aller Insekten ist daher besonders wichtig. An der Initiative we4bee des mittlerweile emeritierten Biologen Prof. Dr. Jürgen Tautz von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, nehmen neben dem MPIE noch ca. 100 weitere Einrichtungen deutschlandweit teil. Kameras und Hightech-Sensoren messen in dem Bienenstock die verschiedenen Umwelteinflüsse und nehmen das Leben der Bienen per Video auf. Sie erfassen unter anderem die Temperatur, den Niederschlag und die Feuchtigkeit, den Wind sowie die Feinstaubbelastung in der Luft. Die gesammelten Daten werden regelmäßig an die Universität Würzburg gesendet, die die Daten zentral sammelt, analysiert und aufbereitet.

Im we4bee-Bienenstock beobachten Kameras und Sensoren das Leben der Bienen und ihr Umfeld.

Die Idee lieferte ein Vortrag beim KopfSalat

Am MPIE betreut Benjamin Breitbach aus der Abteilung „Struktur und Nano-/Mikromechanik von Materialien“, das Projekt. In seiner Freizeit widmet er sich schon seit ein paar Jahren leidenschaftlich seinem Hobby, der Imkerei. Gemeinsam mit Dr. Hauke Springer, Leiter der Gruppe „Kombinatorische Metallurgie“, hat er das Projekt an das MPIE geholt. Die Idee dafür lieferte ein Vortrag von Prof. Tautz bei der MPIE-Vortragsreihe KopfSalat, bei der er we4bee vorstellte: „Wir waren sofort begeistert und haben uns deshalb gemeinsam dafür eingesetzt, das Projekt auch ans MPIE zu holen“, erzählt Benjamin Breitbach. Unterstützung für ihre Pläne erhielten sie auf Anhieb auch von der Geschäftsführung: „Mit dieser Initiative möchten wir als Institut aktiv einen Beitrag zur Artenvielfalt und gegen das Insektensterben liefern“, so der kaufmännische Geschäftsführer Dr. Kai de Weldige.

Die Biene als Biosensor ihrer eigenen Umgebung

10.000 Bienen schwirren jetzt auf dem Dach des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung umher.

Die erhobenen Daten aus den digitalen Hightech-Bienenstöcken sollen Imkern und Wissenschaftlern dabei helfen, mehr darüber zu erfahren, wie sich Bienen unter unterschiedlichen Umwelteinflüssen zurechtfinden. Aus den Daten könnte ein Imker beispielsweise ableiten, wann und in welcher Form er selbst tätig werden muss, wodurch in Zukunft auch eine Fernwartung des Bienenstocks möglich wäre. Fast noch wichtiger, ist die Untersuchung der unmittelbaren Umweltfaktoren auf die Biene, findet Benjamin Breitbach: „Veränderungen, hinsichtlich der Temperatur, des Niederschlags oder auch der Feinstaubbelastung in der Luft sollen am Zustand des Bienenvolks untersucht werden.“ Die Umgebungsbedingungen und Live-Bilder aus dem MPIE-Bienenstock sind jedem auf der we4bee-Seite frei zugänglich.

Die Biene hat für den Erhalt des Ökosystems eine besondere Bedeutung.

Das MPIE als idealer Messpunkt für eine Großstadtumgebung

In einem breit angelegten Netzwerk sind die Bienenstöcke an verschiedenen Standorten in Deutschland verteilt. Die Standorte befinden sich auf dem Land, in der Stadt oder auch in Industriegebieten, woraus sich zum Teil ganz unterschiedliche Umweltfaktoren ergeben. „Das MPIE ist, aufgrund seiner zentralen Lage in der Innenstadt von Düsseldorf, der ideale Messpunkt für eine Großstadtumgebung“, so Breitbach. Die gemessenen Daten lassen sich dann mit den Daten der Bienenvölker aus anderen Gebieten vergleichen. Neben dem wissenschaftlichen Interesse gilt es auch, die Daten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und damit ein Bewusstsein für die Bedeutung der Biene für das Ökosystem zu schaffen. Deswegen kann weltweit jeder über die wee4bee Forscher-App oder über die Website von wee4bee auf alle Daten zugreifen.

Auch aus materialwissenschaftlicher Perspektive beschäftigen wir uns mit dem Thema Nachhaltigkeit. Hier erfahren Sie mehr über unsere wissenschaftlichen Projekte zum Thema Nachhaltigkeit.

Autorin: Saskia Schlesinger

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