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Prof. Dr. Dagmar Schäfer
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Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin

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Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie, Dortmund

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Prof. Dr. Markus Reichstein
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Max-Planck-Institut für Biogeochemie, Jena

Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Viermal erfolgreich

Eine Max-Planck-Wissenschaftlerin und drei Max-Planck-Wissenschaftler werden in diesem Jahr mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet

5. Dezember 2019

Dagmar Schäfer, Baptiste Gault, Andrea Musacchio und Markus Reichstein erhalten die höchste wissenschaftliche Auszeichnung Deutschlands. Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verliehen und ist mit jeweils bis zu 2,5 Millionen Euro dotiert.
Mit dem Leibniz-Preis 2020 geehrt (von links nach rechts): Baptiste Gault, Andrea Musacchio, Dagmar Schäfer und Markus Reichstein Bild vergrößern
Mit dem Leibniz-Preis 2020 geehrt (von links nach rechts): Baptiste Gault, Andrea Musacchio, Dagmar Schäfer und Markus Reichstein

Vergleichende Technik – und Wissenschaftsgeschichte

In China wurden nicht nur das Feuerwerk, das Porzellan und die Schubkarre erfunden, sondern auch der Vorläufer der Post-its – Zettel, auf denen Notizen aller Art festgehalten werden. Es sind Quellen wie diese, mit denen Dagmar Schäfer erforscht, wie in früheren Zeiten, geplant und gehandelt wurde und welche gesellschaftlichen Folgen dies hatte.

Die Sinologin, Japanologin und Politikwissenschaftlerin übernahm 2006 die Leitung einer unabhängigen Forschungsgruppe zur Wissenschafts- und Technikgeschichte Chinas am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin und kehrte – nach einem Intermezzo an der Universität Manchester – als Direktorin der Abteilung „Artifacts, Action, Knowledge” an das Institut zurück.

„Vor allem ihre Arbeiten zu China haben ein neues Licht auf die angebliche Stagnation der dortigen Wissensentwicklung geworfen“, so die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Zwei ihrer Werke zu China während der Ming-Epoche seien von besonderer Bedeutung. Mit „Des Kaisers seidene Kleider. Staatliche Seidenmanufakturen in der Ming-Zeit (1368–1644)“, legte Schäfer die Grundlagen für einen Ansatz, in dem Wissen und Handeln sowohl in ihrem historischen und kulturellen Zusammenhang als auch im Alltag untersucht wurden. Im Band „The Crafting of the 10,000 Things: Knowledge and Technology in 17th-century China” setzte sie chinesische und europäische Entwicklungen im 17. Jahrhundert miteinander in Beziehung, entwickelte neue, kulturwissenschaftliche Ansätze und eröffnete vergleichende Perspektiven in der Technik- und Wissenschaftsgeschichte.

Materialien in Mikrostrukturen

Baptiste Gault, der seit 2016 eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Eisenforschung in Düsseldorf leitet, erhält den Leibniz-Preis für die Entwicklung der Atomsondentomografie. Das für alle Werkstoffe anwendbare Verfahren ermöglicht es, Materialien atomar aufgelöst und dreidimensional abzubilden.

Bereits während seiner Promotion gelang es Gault, ultraschnelle Laserquellen in eine Atomsonde einzubauen. Dadurch konnten erstmals nicht nur leitfähige Metalle, sondern auch isolierende Materialien, einschließlich Halbleitern, Keramiken und biologischem Material, auf atomarer Ebene dargestellt und charakterisiert werden.

Der Materialwissenschaftler studierte in Le Havre, Paris und Rouen. Nach seiner Dissertation in der Groupe de Physique des Matériaux (GPM-CNRS), führten ihn Forschungsaufenthalte nach Sydney, Oxford und Hamilton, bevor er die Forschungsgruppe in Düsseldorf übernahm. 2018 wurde er bereit mit einem ERC Consolidator Grant für seine Forschung ausgezeichnet.

Wie Chromosomensätze geteilt werden

Andrea Musacchio vom Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie in Dortmund erhält den Leibniz-Preis für seine strukturbiologischen Arbeiten zu Mechanismen der Chromosomensegregation bei der Zellteilung. Musacchios Fokus liegt dabei auf der Struktur und Funktion des Kinetochors – einer äußerst komplexen Struktur, die bei der Zellteilung für die Verteilung der Chromosomen auf die Tochterzellen eine zentrale Rolle spielt.

Durch die Kombination von Strukturanalysen mit biochemischen und zellbiologischen Studien hat Musacchio „grundlegende Einblicke in die Funktion und Regulation des Kinetochors gewonnen und so einen herausragenden Beitrag zum Verständnis der Zellteilung geleistet“, so die DFG. Ebenso wichtig sei sein Beitrag zur Anheftung der Mikrotubuli an die Chromosomen: Er identifizierte einen entscheidenden Kontrollmechanismus, der sicherstellt, dass die Zellteilung so lange verzögert wird, bis alle Chromosomen an die Mikrotubuli gebunden sind.

Seit 2011 ist der Zellbiologe Andrea Musacchio Direktor am Max-Planck-Institut  in Dortmund sowie seit 2012 Honorarprofessor an der Universität Duisburg-Essen. Er hat zwei ERC Advanced Grants erhalten - 2009 und 2015.

Den Klimawandel verstehen

Markus Reichstein vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena erforscht den Stoffhaushalt unterschiedlicher Ökosysteme und deren Einfluss auf das Klima. Mit seiner Forschung hat er es erstmals ermöglicht, den weltweiten Austausch von Kohlendioxid und Wasser zwischen der Atmosphäre und Land-Ökosystemen zu bestimmen.

Vor allem für die Entwicklung dichter Monitoring-Verfahren, bei denen viele Daten erhoben und analysiert werden, wird Markus Reichstein nun mit dem Leibniz-Preis 2020 ausgezeichnet. Diese legten den Grundstein, die Stoffflüsse auf der Erde nicht nur digital zu erfassen, sondern auch verlässlich vorherzusagen, so das Urteil der Jury.

Markus Reichstein, der seit 2012 Direktor am Jenaer Institut ist, erhielt bereits zahlreiche Preise, unter anderem den Max-Planck-Forschungspreis 2013 und einen ERC Starting Grant. Seit mehreren Jahren zählt er zu den hochzitierten Wissenschaftlern in den Geo- und Umweltwissenschaften.


Die Leibniz-Preise 2020

Der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erkannte heute in Bonn zwei Wissenschaftlerinnen und acht Wissenschaftlern den Leibniz-Preis 2020 zu. Sie waren zuvor vom zuständigen Auswahlausschuss aus 114 Vorschlägen ausgewählt worden. Von den zehn Preisträgerinnen und Preisträgern kommen jeweils vier aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, drei aus den Lebenswissenschaften, einer aus den Naturwissenschaften und zwei aus den Ingenieurwissenschaften. Die Ausgezeichneten erhalten jeweils ein Preisgeld von 2,5 Millionen Euro. Diese Gelder können die Preisträgerinnen und Preisträger bis zu sieben Jahre lang nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre Forschungsarbeit verwenden. Verliehen werden die Leibniz-Preise am 16. März 2020 in Berlin.

DFG/BA

 
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